Freiwilligenbericht von Jessi - Oktober 2015

Liebe Freunde, Spender, Unterstützer und Interessierte,
von mir selbst würde ich eigentlich eher sagen, dass ich ein recht schüchternes Mädchen bin und ich mich erst wirklich öffne, wenn ich Vertrauen zu jemandem gefasst habe.
Hier im Hogar Esperanza hatte ich allerdings trotz der sprachlichen Barriere nie Probleme damit, offen gegenüber allen anderen Mitarbeitern zu sein. Ich wurde so herzlich von allen (ohne Ausnahme) aufgenommen, dass ich mich in unserem Kinderheim von Anfang an wirklich wohl fühle.
Ich finde, dass das Hogar aus jedem Menschen "das Gute" herausholt, denn hier im Kinderheim wird niemals geschrien und es herrscht immer ein sehr respektvoller Umgang mit viel Verständnis für jedes einzelne Kind, egal in welcher Situation man sich befindet.  Allerdings war es am Anfang nicht so leicht seine eigene Rolle zu finden. Als ich dort ankam wusste ich nicht genau was ich alles machen darf und was meine Aufgaben sind und es gab leider niemanden, der einem sagt: "Du machst das jetzt so und so". Ein bisschen Anleitung hätte ich mir schon gewünscht, aber nach einem Monat hat man den Dreh ganz gut raus. Mittlerweile bin ich auch ein fester Bestandteil des Teams im Kinderheim. Meine Aufgaben bestehen vor allem darin, dass ich die Babys mit der Muttermilch füttere (das findet alle 3 Stunden statt) und ansonsten beschäftige ich mich sehr viel mit den Kindern. Mal basteln wir, dann musizieren wir oder malen. Eigentlich wird es nie langweilig, wenn man nur erkennt, wo Hilfe benötigt wird. So helfe ich manchmal auch unserer Küchentía beim Kochen oder der Tía, die alles reinigt, indem wir zusammen die Betten beziehen. Die Mitarbeiter, die übrigens alle Tías genannt werden, sind einem auch wirklich dankbar. Zudem sind sie auch super Zuhörer, wenn man mal jemanden zum Reden braucht. Mittlerweile gehört auch das Autofahren einmal die Woche dazu. Ich fahre die Kinder zum Krankenhaus, zum Kindergarten oder zur Schule. Das ist immer wieder ein Abenteuer, denn der Verkehr hier ist total anders als in Deutschland. Es gibt tausende Schlaglöcher oder Erhöhungen, zudem ist die Straßenführung sehr chaotisch (zwei Spuren, die eigentlich geradeaus führen enden plötzlich in nur noch einer Straße,...). Riskante Überholmanöver von allen Seiten oder das Fahren über Rote Ampeln gehört zum Alltag der meisten chilenischen Autofahrer. Manchmal fahre ich aber auch nur Essen zum Haus der Großen, denn es gibt noch einen zweiten Teil der Hogars, wo die großen Kinder wohnen. Diese sind älter als 6 Jahre und normalerweise haben wir wenig mit ihnen zu tun. Ich bin dort allerdings mindestens einmal die Woche, denn ich helfe den Kinder mit Hausaufgaben und gebe auch immer wieder Nachhilfe in Englisch. Leider gehört Englisch überhaupt nicht zu den Lieblingsfächern meiner Schützlinge und daher muss ich mir immer wieder die Konzentration und Motivation hart erarbeiten. Aber es macht mega viel Spaß, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Man kann sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie viel man für seine Arbeit zurückbekommt. Die Freude der Kinder und ein Lächeln gibt einem immer wieder Bestätigung, dass es richtig ist, was man tut. Bei den Großen gehe ich immer mit vollen Händen nach Hause. Ich habe schon eine gebastelte Rose bekommen oder zum Beispiel eine Schleife  und so ist es jedes Mal etwas anderes. Wenn die Großen im Hogar der Kleinen sind, dann werde ich immer lautstark mit einem "Jeeesssssiiiii, amiga" begrüßt und danach feste gedrückt. Die Herzlichkeit, welche man täglich zu spüren bekommt, macht mich glücklich und daher freue ich mich eigentlich jeden Tag aufs Neue auf meine Arbeit.