Freiwilligenbericht von Bente November 2016

Hier bin ich jetzt, schon fast vier Monate in Chile, und trotzdem fühlt es sich so an, als wäre ich gestern erst angekommen. Obwohl, ich kann mit Stolz behaupten, dass mein Spanisch tatsächlich schon merklich besser geworden ist. Naja gut, was heißt besser, ich spreche jetzt schneller und undeutlicher, lasse das 's' weg bei jedem nur erdenklichen Wort und hänge ein 'po' an jede Aussage, kurzum – ich bin jetzt chilenisch. Und es gefällt mir echt gut um ehrlich zu sein. Eigentlich kann ich mich nicht beschweren, auch wenn ich teilweise schlimme Heimwehattacken hatte, habe ich diese größtenteils überwunden und fühle mich immer noch pudelwohl hier.
Natürlich gibt es zwischendurch immer mal wieder Probleme, wie zum Beispiel als mir mein Handy mitten auf der Feria, dem Markt hier, geklaut wurde (ich muss aber ehrlich sagen, das war tatsächlich eigene Dummheit) oder ich Schwierigkeiten mit den Kindern hatte oder mein Auffahrunfall gebaut habe. Das war auch nochmal ein großer Schock für mich, mein erster Unfall mit einem anderen Auto! Aber zum Glück ist niemanden etwas passiert, ich hatte keine Kinder an Bord und die Versicherung übernimmt den vollen Preis, que suerte! Bisher ließen sich wirklich fast alle Probleme mit Ruhe bewahren und Fragen beseitigen.
Außerdem überwiegen die schönen Erlebnisse bei weitem die Negativen, so hatte ich letztes Wochenende beispielsweise die Möglichkeit, nach Argentinien zu reisen. Da Dominique, die amerikanische Freiwillige und mein 'Roommate', nur ein Touristenvisum besitzt und deswegen gezwungen ist, alle drei Monate das Land zu verlassen, haben wir zusammen mit Miri beschlossen, einen Kurztrip nach Mendoza zu machen. Ich kann euch sagen, das Wochenende war wirklich einzigartig! Nach der ewig langen Busfahrt am Freitag, die ich nur mithilfe meines Sherlock Holmes Hörbuch überlebte, sind wir ungefähr um sechs in Mendoza angekommen, eine wunderschöne Kleinstadt nahe der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Habe ich es genossen, mal nicht 24/7 von Millionen von Menschen umgeben zu sein! Und trotz der Langen Busfahrt waren wir uns einig – es muss gefeiert werden, dass wir in Arrgentinien sind! Also haben wir uns, nach unserem Einchecken ins Hostel (Günstig und erstaunlich gut für den Preis), eine der Bars ausgesucht, die fast nebenan vom Hostel gelegen waren. Ich sags euch, es hat sich gelohnt! Wir hatten einen wirklich schönen Abend und einen super Auftakt für unseren Argentinientrip. Da konnten wir ja noch nicht wissen, dass es am Samstag noch besser werden sollte...Den nächsten Morgen haben wir ganz entspannt angehen lassen und einen See und einen Park besucht und uns ein bisschen die Stadt angeguckt. Einfach nur malerisch! Und am Nachmittag kam dann mein persönliches Highlight: Sunset Horseback Riding. Es ist genauso gut wie es sich anhört, glaubt mir. Wir sind mit dem Taxi ein bisschen raus aus Mendoza gefahren und nach einer ewig langen Landstraße an einem Landgut angekommen, man könnte es auch Bauernhof nennen, mit Pferdeställen, Hühnern, Kaninchen und Schweinen. Super schön! Jeder hat ein Pferd zugeteilt bekommen, aufgesattelt und dann gings auch schon los, die Steppe erkunden. Wir hatten eine sehr nette Führerin, die übrigens ursprünglich aus Basel kam. Und ich glaube ohne sie hätten wir uns hilflos verlaufen, denn wer denkt, dass wir uns bei unserem Ausritt an Wege gehalten hätten, der täuscht sich aber gewaltig. Es war wundervoll, ich kann es ganz schwer beschreiben, es waren keine Leute zu sehen, keine Häuser, mitten in der Wildnis quasi...ein himmlisches Gefühl, wenn man das Gewimmel aus Santiago gewöhnt ist. Und danach gings ja noch weiter, wir wurden eingeladen mit den Farmbewohnern ein 'asado típico argentino' zu machen, mit Feuer im Steinofen und typisch argentinischen Wein...que riiiiico! Aber das Beste kommt noch: beim Essen fing es an zu gewittern. Man konnte jeden einzelnen Blitz über den Bergen sehen. Unbeschreiblich.
Aber das ist nicht das einzige schöne Erlebnis gewesen, auch auf der Arbeit gibt es immer wieder Tage, die mir in besonderer Erinnerung bleiben. Wir haben beispielsweise am 23.11. den Geburtstag von Florencia, der Ältesten aus dem Haus der Kleinen gefeiert. Sie ist ziemlicher 'Frozen' Fan, ihr wisst schon, dieser Disneyfilm, auf den momentan irgendwie jedes Mädchen zwischen vier bis 18 Jahren abfährt (mich eingeschlossen :D). Von daher war alles auf ihrer Party mit Liebe darauf abgestimmt, es gab sogar eine Torte mit Frozenmotiv. Selten habe ich dieses Mädchen so glücklich gesehen. Es gab Musik, alle Kinder aus dem Casa waren da und haben getanzt und gegessen, Dominique hat Violine gespielt und jeder hatte Spaß. In solchen Momenten weiß ich genau, warum ich mich für ein Freiwilligenjahr in dem Hogar Esperanza entschieden habe. Diese Kinder haben nichts, und doch sind sie glücklich, zumindest für den Moment. Das hat mich sehr bewegt. Und ich kann mit Stolz von mir behaupten, dass ich zu diesem liebevollem Umfeld beitrage, indem ich dort arbeite. Das ist einfach ein wundervolles Gefühl.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass ich mich auf die letzten zwei Drittel des Jahres fast so sehr freue, wie ich mich auf das Freiwilligenjahr in Deutschland gefreut hab, vor allem oder auch obwohl es auf die Weihnachtszeit zugeht. Und wenn alles gut geht, wird es für mich vielleicht sogar möglich sein, eine Freundin über Neujahr in Peru zu besuchen! Denn Jorge ist ein super Chef und wenn man mit ihm ruhig und offen redet, kann man eigentlich immer auf seine Hilfe bauen.